Ohnmacht und Hilflosigkeit überwinden, den islamistischen Terrorismus an der Wurzel packen – Stellungnahme des Muslimischen Forums Deutschland zu den Terroranschlägen in Paris, Beirut, Ankara und anderenorts

Berlin, 16. November 2015

 

Das Muslimische Forum Deutschland (MFD) bekundet sein aufrichtiges und tiefstes Beileid und Mitgefühl und seine Solidarität mit den Opfern des abscheulichen Terrors in Frankreich und wünscht den Verletzten schnelle Genesung. Unsere Gedanken sind bei den Toten, bei den Menschen, die in den Krankenhäusern liegen und bei allen Angehörigen und Freunden. Wir sind fassungslos und zutiefst traurig über die schrecklichen, abscheulichen und menschenfeindlichen Taten, die im Namen des Islam in Paris, Beirut, Ankara und auf der ganzen Welt verübt werden. Wir verurteilen diesen Akt der Gewalt im Namen des Islam und alle menschenfeindlichen Taten auf der Welt aufs Schärfste.

Das MFD bedauert, dass solche Akte des Terrors durch Positionen innerhalb der islamischen Theologie legitimiert werden. Ein Islamverständnis, das Inhalte vermittelt, die die Radikalisierung begünstigt, ist leider Teil des Problems. Wir laden alle Muslime dazu ein, mit uns daran zu arbeiten, jene wahabitisch-salafistische und auch andere politisierte Formen des Islam zu widerlegen und ihnen mit Entschlossenheit entgegenzuwirken.

Daher plädieren wir für ein Umdenken von einer passiven Solidaritätshaltung hin zum aktiven Engagement für unsere demokratische Zukunft.

Deshalb gilt es jetzt nicht nur die Gewalt zu verurteilen, sondern auch jegliche Hasspredigt, die sich gegen unsere demokratischen und freiheitlichen Werte und unsere offene Gesellschaft richtet.

Wir können den Koran und somit den Islam nur dann vor solchem Missbrauch schützen, wenn wir eine historisch kritische Lesart des Korans etablieren, die den Koran in seinem historischen Kontext verortet und so Gewaltaussagen entschärft. Der theologische Diskurs ist allerdings nur ein Baustein von vielen. Gerade orientierungslose Jugendliche aus Europa sind gefährdet, sich von extremistischem Gedankengut leiten zu lassen. Hier muss durch eine effektive Jugendarbeit, Werte der Demokratie vermittelt und deutlich gemacht werden, dass jeder seinen Platz in unserer Gesellschaft haben kann.

Die Politik und die Gesellschaft sind aufgefordert, dem politischen Islam und dem Dschihadismus mit allen demokratischen Mitteln stärker zu bekämpfen. Heute gilt es mehr als je zuvor, demokratische Werte und Freiheitsverständnisse aktiv zu vermitteln. Dies ist nicht nur die Aufgabe unserer Politik, sondern auch der Zivilgesellschaft und unsere, als Mitmenschen.

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass allen voran die Flüchtlinge selbst Opfer dieses Terrors sind und Schutz bei uns suchen. Wir rufen unsere Mitmenschen dazu auf, ihre differenzierte und vernünftige Denkweise gerade in solchen Krisenzeiten nicht leichthändig aufzugeben. Dieser Terror darf keine falschen Feindbilder erschaffen, dafür sollten wir die wahren Feinde der Demokratie und Menschenwürde gezielter mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen – wir sind uns bewusst, dass wir diesem Hass und dieser Gewalt nur gemeinsam entgegenwirken können.

Wir laden sowohl muslimische Organisationen und Moscheegemeinden in Deutschland als auch die nicht-muslimische deutsche Zivilgesellschaft ein, gemeinsam unser demokratisches und friedliches Gesicht allen gewalttätigen Extremisten zu zeigen.